Für musikalische Leidenschaft bekannt
Bericht vom 08.05.2022
 
Hans Nigg ist landauf, landab auch als Tango-Hans bekannt. Denn für Musik und Tanz brennt seine Seele. So liegt es auch nahe, dass er sich mit Herzblut als Präsident für die Liechtensteinische Muscial Company, kurz LMC, einsetzt. Diese feiert dieses Jahr 25 Jahre.

Bettina Stahl-Frick
bstahl@medienhaus.li

Herr Nigg, was fasziniert sie an Musicals?
Hans Nigg, Präsident Liechtenstein Musical Company, LMC: Zum einen bin ich ein grosser Fan vom Tanz. Daher auch mein Kosename: Tango Hans. Früher habe ich alle Tanzlokale von Chur bis nach Bregenz abgeklappert. Zum anderen singe ich aber auch sehr gerne. Tanz mit Gesang zu verbinden, ist für mich einfach faszinierend. Nicht zuletzt ist es auch die Vielfalt, die Musicals bescheren, die mich immer wieder packt.

Dann konnte man den Tango-Hans auch schon in Musicals sehen?
Nein. Ich durfte viele grosse Rollen in Operetten spielen, engagierte mich viele Jahre im Vorstand des Operettenvereins und hatte in meinem Leben das Glück, unvergessliche Erfolge zu erleben. Daher möchte ich heute anderen Menschen die Türen öffnen und eine Plattform bieten. Die Liechtenstein Musical Company habe ich nicht für mich gegründet. Denn ausserdem bin ich der Auffassung, dass Organisator und Bühnendarsteller zwei paar Schuhe sind. Jeder von ihnen hat seine Aufgaben, die nicht vermischt werden sollten.

1997 wurde die Liechtenstein Musical Company, kurz LMC, gegründet, ein Jahr später ging es mit der ersten Produktion «Hair» schon auf die Bühne. Ist der Startschuss geglückt oder gab es Anfangsschwierigkeiten?
So etwas wie die LMC fehlte im Land. Dass die Musical-Company riesiges Potenzial in sich barg zeigte, dass wir bereits in der ersten Produktion über 100 Mitwirkende auf der Bühne hatten. «Hair» war genau das richtige Musical, um alles reinzupacken und insbesondere junge Menschen abzuholen.

LMC zielte also ab, vor allem junge Menschen abzuholen?
Ja – die Idee kam übrigens auch von jungen Menschen. Ich engagierte mich zu jener Zeit als Koordinator im Vorstand des Fürstlich liechtensteinischen Sängerbundes der Kinder- und Jugendchöre. Die Kinder und Jugendlichen erzählten mit immer wieder, wieviel Spass es macht, Musicals zu singen. Damit war auch der Wunsch verbunden, einmal selbst eines spielen zu dürfen. Hierzulande gab es damals keine Möglichkeiten dafür.

Dann stiess die Gründung der LMC auf restlos positive Resonanz, beziehungsweise gab es keine negativen Stimmen?
Tatsächlich nein. Ich habe damals die Möglichkeit bekommen, das LMC-Konzept an der Vorsteherkonferenz – Karlheinz Ospelt hatte damals den Vorsitz - vorzustellen. Das Konzept überzeugte alle. Ebenso, als ich die Idee dem Sängerbund-Vorstand präsentierte. Somit genoss die LMC von Anfang an eine breite kulturelle Unterstützung, was viel Wert war. Wie gross die Begeisterung unter potentiellen Darstellen war, zeigte dann einen Informationsabend, an welchem dem LMC fast die Türen eingerannt wurden. All dies bestätigte: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Kurzum könnte man auch sagen: Der Startschuss war also tatsächlich geglückt!
Absolut. Allerdings muss ich auch sagen, dass sich von 1996 bis 1997 regelmässig ein Organisationskomitee getroffen hat, das ein ordentliches Konzept ausgearbeitet hat. Die gute Vorbereitung zahle sich aus.

 

Vlnr. Rebecca Melter, Kassierin. Hans Nigg, Präsident. Martin Gstöhl, Technischer Leiter. Tino Andrea Honegger, Auswärtige Kontakte.
Isabelle Gstöhl, Aktuarin und Josef Heinzle, Vizepräsident

Welches Ziel verfolgt das Konzept?
Es hat zum Ziel, alle zwei Jahre eine grosse Produktion auf die Beine zu stellen. Dies gelang uns auch. Mit dem Musical «Joseph» hatten wir auch im Jahr 2000 den grossen Durchbruch. Nicht zuletzt lag dies auch an der sehr tiefgründigen Inszenierung von Walter Nobel. Wir mussten sogar zusätzliche Vorstellungen ansetzen und hatten innerhalb von zwei Tagen den Saal mit rund 800 Zuschauern gefüllt. Es passte einfach alles zusammen: Eine interessante biblische Geschichte, gekoppelt mit faszinierender Musik. Eine Mischung, die vom Kindergärtner bis zum 90-Jähriogen sehr viele Menschen angesprochen hat. Einzige Hürde waren die Rechte, um diese musste ich lange kämpfen. Aber es hat sich gelohnt.

Woher wurden für die Produktionen jeweils Darstellerinnen und Darsteller engagiert?
Es war der LMC immer sehr wichtig, Künstlerinnen und Künstler aus dem Inland zu berücksichtigen. Fast wöchentlich haben wir Bewerbungen bekommen, auch von Sängern aus der Region wie beispielsweise auch von Zürich. Die Produktionen und ihr Erfolg strahlte weit über die Grenzen hinweg.

So war es bis anhin auch immer ein Sprungbrett für junge Künstler?
Auf alle Fälle! Ich denke beispielsweise an Oliver Arno, ein österreichischer Sänger, Schauspieler, Songwriter und Musicaldarsteller. Es spielte im Musical «Elisabeth» den Tod. Immer wieder werde ich von ihm zu seinen Vorstellungen eingeladen. Dass diese freundschaftliche Beziehung nach all den Jahren blieb, freut mich sehr. Mir kommt auch Julian David in den Sinn. Er nahm bei LMC einst an Workshops teil und ist heute ein bekannter deutscher Schlagersänger und Musicaldarsteller.

Auch die LMC kam an der corona-bedingten Zwangspause nicht vorbei. Wie und vor allem wann geht es weiter?
Dieses Jahr feiern wir im September unseren 25-jährigen Geburtstag – mit einem Rückblick auf die vergangenen Produktionen, wie auch mit einem Blick in die Zukunft. Ich habe immer an die LMC geglaubt und gesagt: Ich habe drei Kinder – meine beiden Töchter und die LMC. Und so lange ich gesund und munter bin lasse ich keines dieser drei Kinder los. Es ist schön, auf die langjährige Erfolgsgeschichte blicken zu können. Noch schöner ist es, dass es weiter geht – nicht zuletzt auch dank vieler treuen Sponsoren. Auch geht meine bewährte Zusammenarbeit weiter mit Regisseur Tino Andrea Honegger und Choreografin Marion Büchel.

Dann darf man schon nächstes Jahr mit einer neuen Produktion rechnen?
Noch nicht ganz – eine Produktion benötigt eine Vorlaufzeit von zwei Jahren. Somit peilen wir mal 2024, danach sollte es im gewohnten Zwei-Jahres-Turnus weitergehen.

Und mit welchem Musical?
Ideen gibt es immer. Tino Andrea Honegger und ich sind wie Brüder, wir tauschen regelmässig unsere Ideen aus. Auch währen der Pandemie haben wir weitergearbeitet und fast noch mehr Visionen verfolgt als sonst. Schliesslich wollen wir niemand enttäuschen.


 
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